Diabetes mellitus Typ 1

Bei dieser Form der Erkrankung handelt es sich um den klassischen Insulinmangel-Diabetes, der meist im Kindes- oder Jugendalter beginnt. Zuletzt haben Untersuchungen den Nachweis der betreffenden Antikörper auch bei rund zehn Prozent jener Patienten erbracht, die zunächst als Typ-2-Diabetiker eingestuft worden waren: Diese Sonderform eines Typ-1-Diabetes wird als LADA-Form der Erkrankung bezeichnet. Die Abkürzung steht für latent autoimmune diabetes of the adult, was mit spätes Auftreten eines autoimmunen Diabetes (Typ-1) übersetzt werden kann.

 

Wie entsteht Diabetes?

Im Fall des Typ-1-Diabetes werden die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse durch körpereigene Abwehrstoffe (die Antikörper GAD, ICA, IA-2, IAA) zerstört. Die Bauchspeicheldrüse kann in der Folge kein bzw. nicht ausreichend Insulin bilden. Das C-Peptid, als Maß für die körpereigene Insulinproduktion, ist meist nicht mehr nachweisbar.Die Ursachen für diese Fehlsteuerung des Immunsystems sind heute noch weitgehend unbekannt. Man glaubt, dass manche Bakterien oder Viren den Zellen der Bauchspeicheldrüse so ähnlich sehen, dass der Körper nicht nur diese eingedrungenen Bakterien oder Viren unschädlich macht, sondern auch die eigenen Zellen angreift. Beispiele für Viren, denen eine gewisse Häufung für die Entstehung des Diabetes Typ 1 nachgesagt wird, sind: Coxsackie-Virus, Rubeola-Virus (Röteln), Echo-Viren, Cytomegalie-Virus, Herpes-Virus. Ein klarer Nachweis ist bis heute jedoch noch nicht gelungen.

 

Welche Symptome treten auf?

Typische Diabetessymptome:

häufiger Harndrang

– starker Durst

– Müdigkeit und Abgeschlagenheit

– trockene, juckende Haut

– Gewichtsverlust

– Azetongeruch der Atemluft

– Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen

– Eintrübung und Koma

Erst wenn etwa 80 Prozent der Beta-Zellen zerstört sind, reicht das noch vorhandene Insulin nicht mehr aus, um genug Traubenzucker in die Zellen einzuschleusen. Innerhalb von Tagen bis Wochen treten dann die typischen Symptome eines Typ 1 Diabetes auf (siehe weiter unten). Benötigt der Körper allerdings eine Zeit lang mehr Insulin, kann sich der Insulinmangel schon früher bemerkbar machen. Das ist beispielsweise bei Fieber, einer größeren Operation, Dauerstress oder bei bestimmten Medikamenten wie Cortison der Fall.

 

Wie entsteht der Flüssigkeitsmangel bei Diabetes Typ 1?

Der Insulinmangel lässt den Blutzucker in der Blutbahn ansteigen, da dieser nur noch unzureichend oder gar nicht in die Zellen gelangt. Ab einer Konzentration von etwa 160 bis 180 mg/dl (8.9 bis 10 mmol/l) wird die sogenannte Nierenschwelle überschritten. Die Nieren beginnen, den Zucker mit dem Urin auszuscheiden. Die Glukose (Traubenzucker) kann nun mit Teststreifen oder im Labor sehr einfach in einer Urinprobe nachgewiesen werden.

Damit die Nieren den Zucker ausscheiden können, muss er in viel Flüssigkeit gelöst werden. Die Urinproduktion nimmt zu – auf ein Vielfaches der sonst üblichen 1 bis 1,5 Liter pro Tag. Das erklärt das häufige Wasserlassen (Poldipsie) und die großen Urinmengen (Polyurie). Weil die verlorene Flüssigkeit ersetzt werden muss, entsteht der große Durst. Gesüßte Getränke helfen in dieser Situation nicht, weil sie die auszuscheidende Zuckermenge und damit den Flüssigkeitsverlust nur noch erhöhen. Bei Kindern kann die große Urinmenge am Beginn des Diabetes zu nächtlichem Einnässen führen, selbst wenn sie vorher schon lange trocken waren.

Lässt sich der Flüssigkeitsverlust auch durch sehr viel Trinken nicht mehr ausgleichen, macht sich die Austrocknung des Körpers durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit bemerkbar. Dazu gesellt sich häufig Hautjucken.

 

Ketoazidose: Übersäuerung des Körpers

Gelangt nicht ausreichend Traubenzucker in die Zellen, sucht der Körper Ersatz für seine normalerweise wichtigste Energiequelle. Dazu greift er auf seine Fettdepots zurück, zu einem späteren Zeitpunkt auch auf das Eiweiß der Muskulatur. Das hat mehrere Folgen. Ins Blut freigesetzte Fettsäuren bremsen die Wirkung des noch vorhandenen Insulins und verstärken den Insulinmangel. Bei der Fettverbrennung entstehen Ketonkörper, saure Zwischenprodukte des Fettstoffwechsels, die zur Übersäuerung des Blutes führen und zudem die Insulinwirkung noch mehr blockieren.

Die Ketonkörper, von denen das Azeton der bekannteste ist, sind im Blut nachweisbar, aber auch in der Atemluft (Geruch nach überreifem Obst oder Nagellackentferner) und im Urin. Die Ketonkörper lassen sich mit einem Teststreifen bestimmen. Als weitere Folge des Fett- und Eiweißabbaus verliert der Körper an Gewicht.

Bei steigendem Ketonkörperspiegel kommt es zu Übelkeit und Erbrechen. Durch sehr tiefe Atemzüge versucht der Körper, Kohlendioxid abzugeben, um der Übersäuerung entgegenzuwirken. Die Übersäuerung durch Ketonkörper wird als Ketoazidose bezeichnet. Sie ist ein ernster Zustand und erfordert sofortige Gegenmaßnahmen. Im Zweifelsfall sollte man nicht zögern, den Notarzt zu rufen. Unbehandelt kommt es im schlimmsten Fall zum diabetischen Koma, bei dem der Betroffene bewusstlos wird. Es ist akut lebensbedrohlich und muss auf der Intensivstation behandelt werden.

 


Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 wird anhand einer Messung des Blutzuckers (Glukose-Konzentration im Blut) und des HbA1c gestellt. Bei Gesunden bewegt sich der normale Nüchtern-Blutzuckergehalt zwischen 70 und 100 mg/dl Blut (< 5,6 mmol/l). Nach dem Essen können Werte bis 180 (200) mg/dl auch bei Gesunden gemessen werden. Bei Erstdiagnose des Typ 1 sind die Blutzuckerwerte oft deutlich höher als 300 mg/dl, der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c ist ebenso erhöht.

Dieser Wert gibt die durchschnittliche Zuckerkonzentration im Blut der letzten Wochen an, indem er anzeigt, wie viel Blutzucker sich dauerhaft an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin angelagert hat. Auch bei Gesunden können HbA1c-Werte gemessen werden. Diese liegen meist unter 6 % (abhängig von den Normalwerten des Labors). Bei Erstdiagnose liegt der Wert des HbA1c in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle deutlich über der Norm. HbA1c eignet sich gut zur Therapiekontrolle: Mithilfe dieses Wertes sieht der Arzt oder die Ärztin, wie gut der Diabetes in den letzten drei Monaten eingestellt war.


Wie wird Diabetes behandelt?

Bei der Konventionellen Insulintherapie werden die Essensmengen und die Essenszeiten an die gespritzten Insulinmengen angepasst. Diese Behandlungsform wird zu Beginn der Erkrankung eingesetzt. Nach einigen Monaten sollte, soweit dies möglich ist, eine der anderen Insulintherapieformen zum Einsatz kommen. Bei Letzteren wird umgekehrt vorgegangen: Die Insulindosis wird also der Nahrungsmenge und der körperlichen Aktivität angepasst. Auf diese Weise lässt sich der Tagesablauf deutlich flexibler gestalten.

 

Die Honeymoon-Phase des Typ-1-Diabetikers ist charakterisiert durch einen erniedrigten bis fehlenden Insulinbedarf bei gleichzeitig guten Blutzuckerwerten. Diese Phase tritt typischerweise drei bis sechs Monate nach Diagnose auf und dauert ebenfalls drei bis sechs Monate an. In nahezu 100 Prozent der Fälle wird der Patient oder die Patientin im Anschluss wieder insulinpflichtig.

Bei beiden Diabetesformen können sich Folge-Erkrankungen entwickeln. Diabetische Spätkomplikationen entwickeln sich erst nach einigen Jahren. Der wichtigste Bestandteil einer Behandlung ist eine gute Zuckereinstellung und -kontrolle. Der Blutzuckergehalt sollte demjenigen eines Gesunden entsprechen. Wesentlich ist auch die Behandlung von möglichen Begleiterkrankungen, insbesondere eine gute Einstellung von Blutdruck- und Blutfettwerten.

Umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine gute Kontrolle der Zuckerkrankheit das Risiko für diabetische Spätschäden verringern oder sogar verhindern kann und eine normale Lebenserwartung ermöglicht.

Die Betreuung des Typ-1-Diabetikers soll grundsätzlich an einem diabetologischen Zentrum bzw. bei einem Arzt oder einer Ärztin mit entsprechender Schwerpunktausbildung erfolgen. Im Rahmen regelmäßiger Kontrollen soll einerseits untersucht werden, ob die Behandlung erfolgreich ist bzw. ob Spätkomplikationen entstanden sind oder sich diese verschlimmert haben. Folgende Befunde werden dabei erhoben.

 

Routinekontrolle

 

Monatlich

  • Körpergewicht, Blutdruck
  • Hypoglykämie-Anamnese (Unterzuckerung)
Viertel- bis halbjährlich

  • HbA1c
  • Fußinspektion
  • Bei geschädigter Niere: Mikroalbumin & Kreatinin
Jährlich

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Augenuntersuchung (beim Augenarzt); sobald diabetische Veränderungen vorliegen, sind häufigere Kontrollen angezeigt
  • Lipidstatus (Blutfette)
  • Mikroalbumin (Parameter zum Nachweis einer Nierenschädigung)
  • Sensibilität und Durchblutung der Füße


Blutzuckerzielwerte:

Zur entsprechenden Anpassung der Insulintherapie (Übertragung der therapeutischen Entscheidung auf den Patienten) ist die Kontrolle der Glukosewerte durch den Patienten selbst eine grundlegende Voraussetzung. Als Therapieziele gelten im Rahmen der Selbstkontrollen Glukosewerte von 80 und 110 mg/dL nüchtern bzw. vor den Mahlzeiten, und vor dem Schlafengehen 110 bis 130 mg/dL. Die postprandialen Blutglukose-Werte (Bestimmung zwei Stunden nach Einnahme einer Mahlzeit) sollten unter 140 mg/dL liegen.

 

Die Diabetesbehandlung zielt in weitem Umfang auf Selbsthilfe ab. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich selbst zu behandeln. Dies allerdings ist nur durch Erfahrung und Unterricht möglich.

  • Diesen Unterricht erhält man in einer Diabetes-Schulung: Im Laufe einer Woche wird hierbei alles, was mit Diabetes in Verbindung steht, besprochen.
  • Eine Diabetiker-Selbsthilfegruppe hilft bei praktischen Fragen.
  • Lernen Sie, den Blutzucker selbstständig mithilfe eines kleinen Messgeräts zu bestimmen und zu beurteilen. So können Sie die Behandlung im Alltag selbst steuern.
  • Eine gründliche Einführung in die Insulintherapie ist für alle jene wichtig, die sich das Hormon verabreichen müssen.
  • Gehen Sie regelmäßig zu den Vorsorge-Untersuchungen, um mögliche Folgeerkrankungen des Diabetes hintanzuhalten.
  • Lassen Sie sich in medizinischer Fußpflege unterweisen.

Die Insulintherapie ist beim Diabetes mellitus Typ 1 eine lebensnotwendige Hormonersatztherapie, die lebenslang beizubehalten ist. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Insulintherapie ist eine entsprechende Schulung des Diabetikers, sowie die Bereitschaft, die Blutzuckerwerte mehrfach täglich zu messen.

Therapieziele sind:

  • die Prävention diabetesbedingter Einschränkungen der Lebensqualität

  • das Vermeiden von metabolischen Entgleisungen (schwere Hypoglykämien und Hyperglykämie mit Ketoazidose) und

  • die Prävention mikro- und makroangiopathischer Spätkomplikationen.

 

Typ-1-Diabetes betrifft eher jüngere Personen (unter 40) und ist selten. Die Patienten sind meist normalgewichtig. Einer der bekannten Antikörper wird in 85 bis 95 Prozent der Erkrankungsfälle nachgewiesen. Im Gegensatz zum Diabetes Typ 2 ist die familiäre Häufung gering: Sind beide Eltern Typ-1-Diabetiker, liegt das Risiko eines Kindes, ebenfalls zu erkranken, bei etwa 20 Prozent. Ist nur der Vater betroffen, beträgt das Risiko etwa fünf Prozent, im Falle der Mutter etwa 2,5 Prozent. Kinder von Typ-2-Diabetikern hingegen erkranken zu 40 Prozent an Typ-2-Diabetes; sind beide Elternteile erkrankt, zu 60 bis 70 Prozent.

In Österreich sind derzeit rund 40.000 Personen an Typ-1-Diabetes erkrankt, etwa 500.000 an Diabetes mellitus Typ 2.

Diabetes mellitus (lat.: honigsüßer Durchfluss) ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Der Typ-1-Diabetes entsteht durch einen Mangel am Hormon Insulin. Die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse (ß-Zellen, Beta-Zellen) werden hierbei durch körpereigene Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, zerstört.